Kleine Feierstunde zum 25jährigen Bestehen
des Heimat- und Geschichtsvereins Herborn-Seelbach

Nachdem der Heimat u. Geschichtsverein Herborn-Seelbach bereits Anfang August seine Mitglieder zu einem historischen Dorfrundgang eingeladen hatte, beging er nun am vergangenen Samstag im Rahmen einer kleinen Feierstunde sein 25jähriges Bestehen. Unter den zahlreichen Gästen, die sich in der Dernbachstuben eingefunden hatten, waren Vertreter der Seelbacher Ortsvereine und der benachbarten Heimatvereine.

In seinen einführenden Worten lies der Vorsitzende Hans Benner, der im Übrigen seit Vereinsgründung die Heimatfreunde in Herborn-Seelbach leitet, die Vereinsgeschichte und dessen Aktivitäten der vergangen 25 Jahre Revue passieren.
Durch das damalige Dorferneuerungsprogramm im Jahre 1986 entstand der Wunsch nach einem Heimatmuseum für Herborn-Seelbach, was im Zuge der Renovierung der „Alten Schule“ dann auch 1988 umgesetzt werden konnte. Aus diesem heimatgeschichtlichen Engagement entwickelte sich bereits im Frühjahr 1987 der Heimat- u. Geschichtsverein.
Bis heute sind das Museum und regelmäßige Veranstaltungen wie der historische Grenzgang und die Spinnstube wichtige Bestandteile der Vereinstätigkeit. Aber auch die Umsetzung von „Projekten“ wie das Bergbaudenkmal „Grubenlore“ an der Hohen Straße, die Erhaltung historischer Wege („Gruwe- u. Konfirmandepädche“) oder die imposanten Wappensteine an der Gemarkungsgrenze gehören zum aktiven Vereinsleben.
Der Verein hat in den vergangene Jahren nicht zuletzt auch durch Ausstellungen so manches heimatkundliche Thema bearbeitet, hier sei nur an die Ausstellungen zum Thema Handarbeiten, Kirchengeschichte, Historische Fotos, Mühlengeschichte, Bilder von Anelise Deusing, Kriegsopfer, Flurnamen, u.v.m. erinnert.
Benner verwies auch auf das Backesfest, dass viele Male die größte Veranstaltung des Vereins war. Dankbar war er dafür, dass es die Heimatnachrichten noch heute gibt. Anfänglich ein Eigenprodukt des Vereins, schloss man sich bald mit den Heimatvereinen an Aar und Sieg zusammen. „Mit ihren vielfältigen Beiträgen dokumentieren die Heimatnachrichten die Arbeit der Heimatvereine und tun dies auch hoffentlich noch lange“, so Benner. Die Zuhörer waren erstaunt über die Vielfalt der Tätigkeiten, deren sich ein Heimatverein widmet.

Für die eigentliche Festrede überließ der Vorsitzende dann das Rednerpult dem Vereinsmitglied Joachim Heimmann. Unter dem Titel

„ …von Heimat und Geschichte“

zog Dieser einen weiten Bogen von der jüngsten Vergangenheit Herborn-Seelbachs bis weit zurück in die Wirren des 30jährigen Krieges und der Hexenverfolgung.
Zu Beginn warf er die Frage auf, was ein Heimatverein überhaupt ist, oder sein könnte. Von dieser allgemeinen Betrachtung ging es zurück zum Begriff der Heimat. Es fanden viele Personen Erwähnung, die sich in der Vergangenheit auf vielfältige Weise mit ihrer „Heimat“ befasst haben.
Der eigentliche rote Faden des Vortrags war jedoch festgemacht an der Geschichte und dem Leben der Frauen in Herborn-Seelbach. Seit wann dürfen Frauen ohne die Erlaubnis Ihrer Ehemänner arbeiten gehen, seit wann haben Frauen einen eigenen Geldbeutel, die Beantwortung solcher Fragen verdeutlichte den Anwesenden die Veränderung und den Reifungsprozess der Gesellschaft auch in dem kleinen Dorf im unteren Aartal.
Lebensgeschichten von Frauen aus der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts erinnerte an das damalige entbehrungsreiche Leben und die bittere Armut unter der Viele leiden mussten.
Die Ernsthaftigkeit des Themas wurde durch eingeflochtene Mundartgedichte etwas aufgelockert. Intensiv hat sich Heimann mit der Hexenverfolgung im den Aartal-Dörfern auseinandergesetzt und an zahlreichen bildhaften Beispielen den Zuhörern das Leid der damaligen Bevölkerung vor Augen geführt. Wirklich gruselig ging es damals zu. Verleumdungen, Lügen und Intrigen führten zu unfassbaren Leidenswegen auch von Frauen aus Herborn-Seelbach. Unter der Folter gestanden Viele bis ins kleinste Detail ihr Bündnis mit dem Bösen. Geschichten, die uns heute in unserer aufgeklärten Zeit zu einem Schmunzeln verleiten, brachten den, der Hexerei überführten damals geradewegs den Tod.
Die detailreiche Darstellung der Prozesse mit der Nennung von Namen und Örtlichkeiten, die wir noch heute kennen, machte betroffen. Wer weiß schon, das am Hintersand, dort wo wir heute unsere Autos parken, vor Generationen unter lautem Geschrei der Bevölkerung viele der Hexerei Beschuldigte hingerichtet wurden. Unsere heutigen Vorstellungen von Hexen entstanden aus den Schilderungen der damaligen Hexenprotokolle.
Aus dem Vortrag ging klar hervor, dass das Ergebnis heutiger Heimatforschung nicht ein idyllisch- romantisch verklärtes Bild von Heimat sein kann.
Nach diesem eindrucksvollen, fast schon bedrückenden Exkurs in die Vergangenheit schloss Heimann mit dem versöhnlichen Hinweis auf die doch in vielerlei Hinsicht positiven Entwicklungen für die wir heute dankbar sein sollten.

„Es ging trotz Allem, wohl keiner Generation so gut wie der Heutigen“,

so Heimann. Mit den besten Wünschen für die Zukunft des Vereins und dessen Arbeit schloss der Referent.

(Bild: Alfred Benner)

Dem Vortrag folgten Grußworte der anwesenden Vereine. Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins hatten auf der Terrasse der Derbachstuben eine kleine Bilder-Ausstellung über die Geschichte und die Aktivitäten des Vereins vorbereitet. Anhand einiger alter Karten wurde den Interessierten beispielhaft die Veränderungen der Seelbacher Gemarkung und des Ortsbildes vor Augen geführt.

Ein schmackhaftes Buffet bekleidete das anschließende gemütliche Beisammensein, wo noch das eine oder andere nette Gespräch geführt wurde.

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